Letzte Befehle
Die letzten Befehle Jesu
und die ersten Reaktionen der Apostel
Der Abschnitt zeigt den Übergang vom irdischen Dienst Jesu zum geist-erfüllten Dienst der apostolischen Gemeinde.
Jesus geht nicht einfach weg. Er hinterlässt:
- Gewissheit durch seine Auferstehung,
- klare Anweisungen,
- eine Verheißung,
- eine Korrektur ihrer Erwartung,
- einen Auftrag,
- und die Zusage seiner Wiederkunft.
Die Apostel reagieren darauf nicht mit Aktivismus, sondern mit Gehorsam, Sammlung, Einmütigkeit und Gebet.
1. Der Rahmen: Jesu letzte Unterweisung nach der Auferstehung
Apostelgeschichte 1,1–3
Lukas verbindet die Apostelgeschichte mit seinem ersten Buch, dem Lukasevangelium.
„… alles, was Jesus anfing zu tun und zu lehren …“
Das ist bedeutend. Das Evangelium beschreibt, was Jesus anfing zu tun und zu lehren. Die Apostelgeschichte zeigt, was Jesus durch den Heiligen Geist und durch seine Gemeinde weiter tut.
Vor seiner Himmelfahrt tat Jesus drei wesentliche Dinge:
|
Vers |
Handlung Jesu |
Bedeutung |
|---|---|---|
|
1,2 |
Er gab den Aposteln Befehle |
Der apostolische Auftrag wurde nicht erfunden, |
|
1,3 |
Er erwies sich ihnen nach seinem Leiden als lebendig |
Ihr Zeugnis beruhte auf der Gewissheit der Auferstehung. |
|
1,3 |
Er sprach vierzig Tage lang über das Reich Gottes |
Das Reich Gottes blieb zentral, musste aber geistlich und |
Die Grundlage dieses Abschnitts ist also:
Auferstehung, Befehl, Reich Gottes, Geist.
2. Die direkten Befehle Jesu
Befehl 1: Verlasst Jerusalem nicht
Apostelgeschichte 1,4
„… gebot er ihnen, nicht von Jerusalem zu weichen …“
Das ist der erste ausdrückliche Befehl in diesem Abschnitt.
Jesus sagt ihnen nicht zuerst: „Geht sofort hinaus und predigt.“
Er sagt ihnen: Bleibt. Wartet. Verlasst Jerusalem nicht.
Das ist bemerkenswert, denn die Apostel hatten bereits vieles:
- persönliche Schulung durch Jesus,
- Augenzeugenschaft seines Todes und seiner Auferstehung,
- Berufung,
- Schriftverständnis,
- Leitungserfahrung.
Und dennoch sollten sie den Auftrag nicht aus eigener Kraft beginnen.
Prinzip
Berufung ist nicht dasselbe wie Bevollmächtigung.
Sie hatten einen Auftrag, aber sie brauchten noch die verheißene Kraft des Heiligen Geistes, bevor sie diesen Auftrag ausführen sollten.
Befehl 2: Wartet auf die Verheißung des Vaters
Apostelgeschichte 1,4–5
„… sondern auf die Verheißung des Vaters warten …“
Das ist die positive Seite des ersten Befehls.
Jesus sagt ihnen nicht nur, wohin sie nicht gehen sollen. Er sagt ihnen auch, worauf sie warten sollen.
Die Verheißung wird näher erklärt:
„Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit Heiligem Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.“
Damit verbindet Jesus Apostelgeschichte 1 direkt mit:
- der Ankündigung Johannes des Täufers,
- seiner eigenen früheren Lehre,
- Pfingsten in Apostelgeschichte 2,
- dem Beginn des geist-erfüllten apostolischen Zeugnisses.
Schlüsselgedanke
Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist die göttliche Bevollmächtigung für den Auftrag der Gemeinde.
Sie wird hier nicht als Nebensache dargestellt, sondern als notwendige Voraussetzung für die Mission.
3. Die Frage der Jünger und Jesu Korrektur
Die Frage der Apostel
Apostelgeschichte 1,6
„Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel die Königsherrschaft wieder her?“
Die Frage der Apostel ist nicht völlig falsch, aber sie ist unvollständig.
Sie denken noch stark in Kategorien von:
- Zeitpunkt,
- nationaler Wiederherstellung,
- Israel,
- sichtbarer Königsherrschaft,
- endzeitlicher Erfüllung.
Sie fragen im Grunde:
Ist jetzt der Moment gekommen?
Wird jetzt das Reich sichtbar wiederhergestellt?
Beginnt jetzt die verheißene Herrschaft?
Jesus verwirft das Thema des Reiches nicht. Aber er lenkt ihren Fokus neu aus.
Jesu Korrektur: Nicht Zeiten und Zeitpunkte stehen im Mittelpunkt
Apostelgeschichte 1,7
„Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu kennen …“
Jesus weist sie nicht zurecht, weil sie an das Reich glauben.
Er setzt aber eine Grenze gegenüber Spekulation und falscher Priorität.
Die Zeiten und Zeitpunkte stehen unter der Autorität des Vaters.
Prinzip
Jesus lenkt sie von prophetischer Zeitberechnung zu apostolischer Sendung.
Sie wollten wissen, wann das Reich kommt.
Jesus sagt ihnen, was sie bis dahin tun sollen.
4. Die zentrale Verheißung und der Auftrag
Verheißung: Ihr werdet Kraft empfangen
Apostelgeschichte 1,8
„Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist …“
Dieser Vers ist der Dreh- und Angelpunkt des Abschnitts. Er ist zugleich einer der programmatischen Verse der gesamten Apostelgeschichte.
Die Kraft ist nicht nur innere Ermutigung. Sie ist göttliche Befähigung für:
- Zeugnis,
- Verkündigung,
- Mission,
- Standhaftigkeit,
- geistliche Autorität,
- Ausbreitung des Evangeliums.
Die Reihenfolge ist wichtig:
- Der Heilige Geist kommt auf sie.
- Sie empfangen Kraft.
- Sie werden Zeugen.
Die Kraft ist also nicht primär für Ansehen, Stellung oder persönliche Erfahrung gegeben, sondern für das Zeugnis von Jesus Christus.
Auftrag: Ihr werdet meine Zeugen sein
Apostelgeschichte 1,8
„… und ihr werdet meine Zeugen sein …“
Jesus sagt nicht nur:
Ihr werdet Zeugnis geben.
Er sagt:
Ihr werdet meine Zeugen sein.
Das betrifft ihre ganze Identität.
Sie sollen lebendige Zeugen sein für:
- seine Auferstehung,
- seine Herrschaft,
- sein Heil,
- sein Reich,
- seine Wiederkunft.
Der Umfang des Auftrags
Apostelgeschichte 1,8
„… in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“
|
Missionsfeld |
Bedeutung |
|---|---|
|
Jerusalem |
Der unmittelbare Ort; die Stadt seines Todes und seiner Auferstehung |
|
Judäa |
Das weitere jüdische Umfeld |
|
Samaria |
kulturell und religiös schwieriges Grenzgebiet |
|
Ende der Erde |
weltweite Mission unter allen Völkern |
Dieser Vers gibt zugleich die Grundstruktur der Apostelgeschichte vor:
|
Abschnitt in der Apostelgeschichte |
Bewegung |
|---|---|
|
Apostelgeschichte 1–7 |
Jerusalem |
|
Apostelgeschichte 8–12 |
Judäa und Samaria |
|
Apostelgeschichte 13–28 |
Ausbreitung zu den Nationen |
Die Mission beginnt dort, wo Jesus sie hinbeordert, und breitet sich von dort nach außen aus.
5. Die Himmelfahrt Jesu
Jesus wird emporgehoben
Apostelgeschichte 1,9
„… wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.“
Die Himmelfahrt ist nicht einfach ein Verschwinden Jesu. Sie ist seine Erhöhung.
Die Wolke erinnert an die göttliche Gegenwart und Herrlichkeit im Alten Testament.
Die Himmelfahrt bedeutet:
- Der irdische Dienst Jesu ist vollendet.
- Jesus ist erhöht.
- Seine Herrschaft wird vom Himmel her ausgeübt.
- Die Gemeinde tritt nun unter der Autorität des erhöhten Christus in ihren Auftrag ein.
- Der Heilige Geist wird die Mission Jesu durch die Gemeinde fortsetzen.
6. Die Korrektur durch die Engel
„Was steht ihr da und seht zum Himmel?“
Apostelgeschichte 1,10–11
Während die Jünger zum Himmel schauen, erscheinen zwei Männer in weißen Kleidern und sagen:
„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel?“
Das ist eine weitere Korrektur.
Die Jünger werden nicht wegen Ehrfurcht getadelt. Aber sie sollen nicht in passivem Staunen stehenbleiben.
Die Botschaft der Engel lautet:
- Jesus ist aufgenommen worden.
- Jesus wird wiederkommen.
- Seine Wiederkunft wird sichtbar und real sein.
- Bis dahin haben die Jünger einen Auftrag zu erfüllen.
Wichtige Balance
Die Engel bestätigen die Wiederkunft Jesu, aber sie erlauben nicht, dass die Jünger in bloßem Himmelsschauen steckenbleiben.
Die Gemeinde lebt zwischen:
- Himmelfahrt und Wiederkunft,
- Verheißung und Erfüllung,
- Warten und Zeugnis.
7. Die unmittelbaren Handlungen der Apostel
Handlung 1: Sie kehrten nach Jerusalem zurück
Apostelgeschichte 1,12
„Da kehrten sie nach Jerusalem zurück …“
Das ist direkter Gehorsam gegenüber dem Befehl Jesu aus Vers 4.
Jesus hatte gesagt:
Verlasst Jerusalem nicht.
Sie tun genau das:
Sie kehren nach Jerusalem zurück.
Ihre erste Reaktion ist nicht Predigen, Organisieren, Reisen oder Strategisieren.
Ihre erste Reaktion ist Gehorsam.
Handlung 2: Sie versammelten sich im Obersaal
Apostelgeschichte 1,13
„Und als sie hineinkamen, gingen sie hinauf in den Obersaal …“
Der Obersaal wird zu einem Ort des Wartens, der Einheit und des Gebets.
Lukas nennt die Apostel ausdrücklich mit Namen. Dadurch wird deutlich: Dies sind die von Jesus bestimmten Zeugen, auch wenn Judas fehlt und seine Stelle anschließend neu besetzt werden muss.
Der apostolische Auftrag beginnt mit einer versammelten Gemeinschaft.
Handlung 3: Sie waren einmütig
Apostelgeschichte 1,14
„Diese alle blieben beständig und einmütig …“
Das ist ein Schlüsselgedanke.
Vor Pfingsten, vor der ersten öffentlichen Predigt, vor den dreitausend Bekehrten, vor Zeichen und Wundern, vor dem Wachstum der Gemeinde steht:
Einmütigkeit.
Die Apostel und die übrigen Jünger sind nicht zerstreut, zerstritten oder konkurrierend.
Sie sind ausgerichtet auf:
- den Befehl Jesu,
- die Verheißung des Vaters,
- gemeinsames Gebet,
- Erwartung,
- Gehorsam.
Handlung 4: Sie widmeten sich dem Gebet
Apostelgeschichte 1,14
„… im Gebet …“
Ihr Warten war nicht passiv.
Sie warteten:
- betend,
- gemeinsam,
- erwartungsvoll,
- gehorsam,
- ausgerichtet.
Das ist die Haltung der Gemeinde vor Pfingsten.
Sie versuchten nicht, die Verheißung durch menschliche Aktivität zu ersetzen.
Sie warteten auf Gottes Kraft.
Handlung 5: Die Frauen, Maria und die Brüder Jesu waren dabei
Apostelgeschichte 1,14
„… samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“
Das ist bemerkenswert.
Die wartende Gemeinschaft bestand nicht nur aus den Aposteln, sondern auch aus:
- den Frauen, die Jesus nachgefolgt waren,
- Maria, der Mutter Jesu,
- den Brüdern Jesu.
Gerade die Erwähnung der Brüder Jesu ist bedeutsam. Während seines irdischen Dienstes standen sie ihm offenbar zunächst skeptisch gegenüber. Nach der Auferstehung aber gehören sie zur betenden Gemeinschaft der Gläubigen.
Die Auferstehung hat auch in der Familie Jesu sichtbare Wirkung gezeigt.
8. Übersicht: Befehl und Reaktion
|
Jesu Befehl / Verheißung / Korrektur |
Reaktion der Apostel |
|---|---|
|
Verlasst Jerusalem nicht |
Sie kehrten nach Jerusalem zurück |
|
Wartet auf die Verheißung des Vaters |
Sie versammelten sich und warteten |
|
Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden |
Sie positionierten sich für Pfingsten |
|
Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu kennen |
Sie ließen die Zeitfrage ruhen |
|
Ihr werdet Kraft empfangen |
Sie beteten in Erwartung |
|
Ihr werdet meine Zeugen sein |
Sie wurden zur apostolischen Zeugengemeinschaft |
|
Der Auftrag beginnt in Jerusalem und reicht bis ans Ende der Erde |
Sie begannen genau dort, wo Jesus es befohlen hatte |
|
Dieser Jesus wird wiederkommen |
Sie blieben nicht stehen und schauten nur zum Himmel, |
9. Der theologische Ablauf des Abschnitts
Der Abschnitt bewegt sich in folgender Reihenfolge:
- Jesus lehrt und gebietet.
- Jesus beweist seine Auferstehung.
- Jesus spricht über das Reich Gottes.
- Jesus befiehlt ihnen zu warten.
- Jesus verheißt die Taufe mit dem Heiligen Geist.
- Jesus korrigiert ihre Fixierung auf Zeiten und Zeitpunkte.
- Jesus definiert ihren Auftrag.
- Jesus fährt auf in den Himmel.
- Die Engel bestätigen seine Wiederkunft.
- Die Apostel gehorchen.
- Die Jünger versammeln sich.
- Sie beten einmütig.
- Pfingsten steht unmittelbar bevor.
10. Kernaussage von Apostelgeschichte 1,1–14
Eine zusammenfassende Formulierung könnte lauten:
Vor seiner Himmelfahrt befahl Jesus seinen Aposteln, den Auftrag nicht in menschlicher Kraft zu beginnen, sondern in Jerusalem auf die Verheißung des Vaters zu warten: die Taufe mit dem Heiligen Geist. Er lenkte sie weg von Spekulation über Zeiten und Zeitpunkte hin zu ihrer Berufung als Zeugen, beginnend in Jerusalem und reichend bis an das Ende der Erde. Nach seiner Himmelfahrt gehorchten die Apostel, kehrten nach Jerusalem zurück, versammelten sich einmütig und widmeten sich dem Gebet, bis die Verheißung erfüllt wurde.
11. Mögliche Predigt- oder Lehrstruktur
Letzte Befehle, erster Gehorsam
1. Jesus hinterließ ihnen Gewissheit
Er erwies sich nach seinem Leiden als lebendig durch viele Beweise.
2. Jesus hinterließ ihnen Anweisung
Sie sollten Jerusalem nicht verlassen.
3. Jesus hinterließ ihnen Verheißung
Sie sollten mit dem Heiligen Geist getauft werden.
4. Jesus hinterließ ihnen Korrektur
Sie sollten sich nicht auf Zeiten und Zeitpunkte fixieren.
5. Jesus hinterließ ihnen Auftrag
Sie sollten seine Zeugen sein bis an das Ende der Erde.
6. Jesus hinterließ ihnen Erwartung
Er würde wiederkommen.
7. Die Apostel antworteten mit Gehorsam
Sie kehrten nach Jerusalem zurück.
8. Die Apostel antworteten mit Einheit
Sie versammelten sich einmütig.
9. Die Apostel antworteten mit Gebet
Sie blieben beständig im Gebet, bis die Verheißung kam.
Abschluss
Apostelgeschichte 1,1–14 ist nicht nur ein Bericht über den Abschied Jesu. Es ist die Übergabe vom irdischen Dienst Jesu an die geist-erfüllte Mission der apostolischen Gemeinde.
Jesus geht in den Himmel, aber sein Werk hört nicht auf.
Er wirkt weiter:
durch den Heiligen Geist,
durch gehorsame Zeugen,
in einer betenden Gemeinde,
bis an das Ende der Erde.
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