Gott ist der Erste Beweger

 

Gott ist der Erste Beweger

Leittext

  1. Johannes 4,19

„Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat.“

Weitere Schlüsseltexte

  • 1. Mose 1,1
  • Johannes 1,1–3
  • Kolosser 1,16–17
  • 1. Mose 3,8–9
  • Römer 5,8
  • Johannes 15,16
  • Philipper 1,6

Einleitung

Jeder kennt den Ausdruck:

„Den ersten Schritt machen.“

Beim Schach bestimmt der erste Zug häufig den Verlauf der gesamten Partie.

In der Wirtschaft spricht man vom „First-Mover-Vorteil“ – dem Vorteil dessen, der als Erster handelt.

Auch in Beziehungen muss jemand den ersten Schritt tun.

Doch schon vor mehr als zweitausend Jahren stellten Philosophen eine noch tiefere Frage:

Wer hat den ersten Schritt im Universum gemacht?

Der griechische Philosoph Aristoteles beobachtete, dass sich alles verändert.

Alles bewegt sich.

Alles wird von etwas anderem verursacht.

Wenn aber jede Bewegung von einer vorhergehenden Bewegung abhängt – wo beginnt dann diese Kette?

Aristoteles kam zu dem Schluss, dass es einen „Ersten Beweger“ geben müsse – einen „Unbewegten Beweger“ –, der alle Bewegung verursacht, ohne selbst bewegt zu werden.

Obwohl Aristoteles den Gott der Bibel nicht kannte, erkannte er, dass eine endlose Kette von Ursachen die Wirklichkeit letztlich nicht erklären kann. Irgendwo muss es einen Anfang geben, der selbst keinen Anfang hat.

Mehr als tausend Jahre später griff der christliche Theologe Thomas von Aquin diesen Gedanken auf.

Er stimmte Aristoteles zu, dass die Vernunft auf einen Ersten Beweger hinweist.

Dann fügte er einen entscheidenden Gedanken hinzu:

Die Philosophie kann uns sagen, dass es einen Ersten Beweger geben muss. Die Offenbarung zeigt uns, wer dieser Erste Beweger ist.

Die Bibel offenbart keinen unpersönlichen Grundsatz.

Sie offenbart Jehova. – Den Schöpfer.  – Den Erlöser. – Den Vater.

Den in Jesus Christus geoffenbarten Gott.

Und noch erstaunlicher ist:

Von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel ist Gott immer derjenige, der den ersten Schritt macht.

Er handelt, bevor wir handeln.

Er spricht, bevor wir sprechen.

Er liebt, bevor wir lieben.

Er sucht, bevor wir suchen.

Er gibt, bevor wir bitten.

Das ist die Geschichte der gesamten Heiligen Schrift.

I. Der Erste Beweger der Philosophie und der Erste Beweger der Bibel

Aristoteles hatte eine bemerkenswerte philosophische Einsicht.

Doch die Bibel geht unendlich weiter.

Aristoteles’ Erster Beweger

Der Gott der Bibel

Er erklärt Bewegung.

Er erschafft Himmel und Erde aus dem Nichts (1. Mose 1,1).

Er ist unveränderlich.

Er ist unveränderlich in seinem Wesen und handelt dennoch in der Geschichte (Maleachi 3,6; Hebräer 13,8).

Er erschafft nicht.

Er spricht die Schöpfung ins Dasein (Psalm 33,6.9).

Er offenbart sich nicht.

Er spricht durch Propheten und die Heilige Schrift (Hebräer 1,1–2).

Er tritt nicht in die Geschichte ein.

Er wandelt unter den Menschen (Johannes 1,14).

Er liebt nicht.

Er liebt jeden Menschen persönlich (1. Johannes 4,9–10).

Er sucht keine Menschen.

Er sucht verlorene Sünder (Lukas 19,10).

Über ihn denkt man nach.

Er lädt zur persönlichen Beziehung ein (Johannes 15,15; Offenbarung 3,20).

Die Bibel zeigt Gott nicht nur als denjenigen, der alles begonnen hat.

Sie zeigt ihn als denjenigen, der jede entscheidende Handlung der Erlösung selbst einleitet.

Die Geschichte der Bibel handelt nicht davon, wie Menschen zu Gott hinaufsteigen.

Sie handelt davon, wie Gott zu den Menschen herabkommt.

II. Gott macht den ersten Schritt in der Schöpfung

  1. Mose 1,1

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“

Alles beginnt mit seiner Initiative.

Bevor es Licht gab …handelte Gott.

Bevor es Leben gab … sprach Gott.

Bevor es Zeit gab … war Gott bereits da.

Johannes 1,1–3

„Im Anfang war das Wort … Alles ist durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“

Kolosser 1,16–17

„Denn durch ihn ist alles geschaffen … und es besteht alles in ihm.“

Hebräer 11,3

„Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort bereitet worden ist …“

Anwendung:

Jeder Segen beginnt bei Gott.

Jeder Atemzug.  Jeder Sonnenaufgang. Jede Gelegenheit. Jede Verheißung.

Alles beginnt mit Gott.

III. Gott macht den ersten Schritt auf den Menschen zu

Dieses Muster erscheint unmittelbar nach dem Sündenfall.

  1. Mose 3,8–9

„Und Gott, der HERR, rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?“

Adam versteckt sich.

Gott sucht.

Beachte:

Gott wartet nicht, bis Adam ihn findet.

Gott geht auf Adam zu.

Dieses Muster wiederholt sich immer wieder.

Abraham

  1. Mose 12,1–3

Gott ruft Abraham.

Mose

  1. Mose 3,2–10

Gott begegnet Mose im brennenden Dornbusch.

Samuel

  1. Samuel 3,4

„Da rief der HERR den Samuel …“

Jesaja

Jesaja 6,8

„Wen soll ich senden?“

Jeremia

Jeremia 1,5

„Ehe ich dich im Mutterleib bereitete, habe ich dich erkannt …“

Keiner dieser Menschen suchte seine Berufung.

Gott trat in ihr Leben hinein.

Anwendung:

Viele von uns können bezeugen:

Wir suchten Gott längst nicht so sehr,

wie Gott uns suchte.

Jemand lud uns ein.

Jemand betete für uns.

Jemand erzählte uns das Evangelium.

Lange bevor wir es bemerkten,

hatte Gott bereits begonnen zu wirken.

IV. Gott macht den ersten Schritt zur Erlösung

Hier sehen wir Gottes Initiative vielleicht am deutlichsten.

Römer 5,8

„Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Beachte die Reihenfolge.

Nicht nachdem wir Buße getan hatten.

Nicht nachdem wir heilig geworden waren.

Nicht nachdem wir es verdient hatten.

Sondern:

Als wir noch Sünder waren.

  1. Johannes 4,10

„Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat …“

Dann folgt unser Leittext.

  1. Johannes 4,19

„Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat.“

Unsere Liebe ist nicht die Ursache.

Sie ist die Antwort.

Das Kreuz war Gottes erster Schritt auf eine verlorene Welt zu.

Epheser 2,4–5

„Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit … hat uns mit Christus lebendig gemacht …“

Anwendung:

Die Gnade kommt vor dem Dank.

Die Barmherzigkeit kommt vor dem Gehorsam.

Gottes Liebe kommt immer zuerst.

V. Jesus macht den ersten Schritt in der Berufung seiner Jünger

Jesus schrieb keine Bewerbung aus.

Er ging einfach auf Menschen zu und sagte:

„Folge mir nach.“

Matthäus 4,18–22

Jesus beruft Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes.

Matthäus 9,9

Jesus beruft Matthäus.

Apostelgeschichte 9,3–6

Jesus begegnet Saulus auf dem Weg nach Damaskus.

Keiner dieser Menschen stand morgens auf und plante, dass sich sein Leben an diesem Tag völlig verändern würde.

Jesus trat in ihr Leben hinein.

Johannes 15,16

„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“

Selbst unsere Berufung beginnt mit Gottes Initiative.

Anwendung:

Viele Menschen sagen:

„Ich habe Jesus gefunden.“

Die tiefere Wahrheit lautet:

Jesus hat uns gefunden.

VI. Gott macht den ersten Schritt zur Wiederherstellung

Eine der tröstlichsten Wahrheiten der Bibel ist:

Gott macht selbst dann noch den ersten Schritt,

wenn sein Volk versagt.

Petrus

Johannes 21,15–19

Nach seiner Verleugnung sucht Jesus Petrus auf und stellt ihn wieder her.

Jona

Jona 1–3

Gott verfolgt Jona durch den Sturm, den großen Fisch und einen neuen Auftrag.

Elia

  1. Könige 19,9–18

Gott begegnet Elia in der Höhle und richtet ihn neu auf.

Lukas 19,10

„Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Der Hirte sucht das Schaf,

lange bevor das Schaf den Hirten findet.

Anwendung:

Wenn Gott Adam nach Eden suchte …

Petrus nach seiner Verleugnung …

Jona nach seinem Ungehorsam …

dann sucht er auch heute noch Menschen.

VII. Gott macht den ersten Schritt in unsere Zukunft

Philipper 1,6

„Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi.“

Beachte:

Er beginnt.

Er führt fort.

Er vollendet.

Offenbarung 21,5

„Siehe, ich mache alles neu.“

Die Geschichte beginnt mit Gottes Initiative.

Sie endet mit Gottes Initiative.

Und alles dazwischen wird durch Gottes Initiative getragen.

Das Muster der Heiligen Schrift

Von der Genesis bis zur Offenbarung erkennen wir immer dasselbe Muster.

Zustand des Menschen

Gottes erster Schritt

Bibelstelle

Antwort des Menschen

Chaos

Schöpfung

1. Mose 1,1

Verantwortung übernehmen (1. Mose 1,26–28)

Sünde

Gott sucht

1. Mose 3,9

Buße (1. Mose 3,21; 4,4)

Knechtschaft

Befreiung

2. Mose 3,7–10

Bund (2. Mose 19,4–8)

Verlorenheit

Evangelium

Römer 5,8

Glaube (Apostelgeschichte 2,37–41)

Schwachheit

Heiliger Geist

Apostelgeschichte 2,1–4

Zeugnis (Apostelgeschichte 1,8; 2,14–41)

Neue Schöpfung

Gott macht alles neu

Offenbarung 21,5

Ewige Gemeinschaft (Offenbarung 21,3–4)

Beachte:

Gott handelt zuerst.

Der Mensch antwortet.

Das ist Gnade.

Fazit

Man könnte die gesamte Bibel in vier Bewegungen zusammenfassen.

Gott handelt. Der Mensch antwortet.

Gott stellt wieder her.

Gott vollendet.

Vom ersten Vers der Bibel: „Im Anfang schuf Gott …“

bis zur letzten großen Verheißung: „Siehe, ich mache alles neu.“

ist Gott immer der Erste Beweger.

Er machte den ersten Schritt in der Schöpfung.

Er machte den ersten Schritt bei Abraham.

Er machte den ersten Schritt bei Mose.

Er machte den ersten Schritt im Bund.

Er machte den ersten Schritt durch das Kreuz.

Er machte den ersten Schritt in unserer Erlösung.

Er machte den ersten Schritt in unserer Berufung.

Er machte den ersten Schritt in unserer Wiederherstellung.

Er machte den ersten Schritt durch die Ausgießung seines Geistes.

Und er wird den letzten Schritt machen,

wenn er einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft.

Unser christliches Leben besteht deshalb nicht darin,

Gott dazu zu bewegen, etwas zu tun.

Es besteht darin,

zu erkennen,

wo Gott bereits handelt,

und ihm im Glauben, im Gehorsam und in der Anbetung zu folgen.

Vielleicht fühlst du dich weit entfernt von Gott.

Denke daran: Er hat den ersten Schritt gemacht.

Vielleicht hast du versagt. Er macht auch heute noch den ersten Schritt zur Wiederherstellung.

Vielleicht suchst du Gottes Führung.

Dann denke an:

  • Samuel – 1. Samuel 3,4–10
  • Mose – 2. Mose 3,2–10
  • Petrus – Johannes 21,15–19
  • Paulus – Apostelgeschichte 9,3–6

Gott war immer derjenige,

der zuerst gesprochen hat.

Auch heute bewegt sich der Erste Beweger noch.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht,

ob Gott den ersten Schritt gemacht hat.

Die Frage lautet:

Wie werden wir auf den Gott antworten, der uns zuerst geliebt (1. Johannes 4,19), zuerst gesucht (1. Mose 3,9), zuerst gegeben (Johannes 3,16), zuerst erwählt (Johannes 15,16) und das gute Werk zuerst begonnen hat (Philipper 1,6)?

 

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