„Damit sie Gott suchen … und sich zu ihm herumtastend vortasten“ (Apostelgeschichte 17,26–31)
Einleitung
Als Paulus auf dem Areopag in Athen predigt, spricht er nicht zu Juden, sondern zu Philosophen – Stoikern und Epikureern. Er beginnt nicht mit Mose oder den Propheten, sondern knüpft an ihre Suche nach Wahrheit an.
Seine Beschreibung der Menschheit ist bemerkenswert:
„…damit sie Gott suchen sollten, ob sie ihn wohl herumtastend fühlen und finden könnten. Und doch ist er einem jeden von uns nicht fern.“ (Apg 17,27)
Das griechische Wort (psēlaphaō) bedeutet nicht „fühlen“ im Sinn von Emotionen, sondern tastend suchen, wie ein Mensch, der sich im Dunkeln orientiert. Genau dieses Bild beschreibt die menschliche Suche nach Gott – ehrlich, ernsthaft, aber ohne das volle Licht der Offenbarung.
1. Gott hat den Menschen geschaffen, damit er ihn sucht
Apostelgeschichte 17,26–27
Gott hat nicht nur die Nationen geschaffen und ihre Zeiten und Grenzen bestimmt. Sein Ziel war, dass Menschen ihn suchen.
Wichtige Schriftstellen
- Jeremia 29,13
-
- Mose 4,29
- Jesaja 55,6
- Psalm 105,4
Kerngedanke
Gott fordert den Menschen niemals auf, jemanden zu suchen, der verborgen bleiben möchte.
2. „Herumtastend“ – das Bild der menschlichen Suche
Apostelgeschichte 17,27
Das verwendete Wort beschreibt einen Menschen, der sich im Dunkeln orientiert.
Nicht Gefühle stehen im Mittelpunkt.
Sondern begrenzte Erkenntnis.
Der Mensch sucht.
Er tastet.
Er fragt.
Doch sein Blick reicht nicht aus.
Weitere Stellen
- Lukas 24,39
- Hebräer 12,18
-
- Johannes 1,1
Kerngedanke
Die Menschheit sucht nach Gott – aber oft wie ein Blinder, der den Weg ertastet.
3. Paulus und die Philosophen Athens
Der kulturelle Zusammenhang
Paulus spricht zu einer Kultur, die seit Jahrhunderten nach Wahrheit sucht.
Sokrates fragte nach Tugend.
Platon nach der höchsten Wirklichkeit.
Aristoteles nach der ersten Ursache.
Die Stoiker nach dem Logos.
Die Epikureer nach dem höchsten Gut.
Paulus verspottet diese Suche nicht.
Er erkennt sie an.
Doch er zeigt ihre Grenze.
Kerngedanke
Philosophie konnte den Menschen bis an die Tür führen.
Die Offenbarung Gottes öffnet sie.
4. Gott ist näher, als wir glauben
Apostelgeschichte 17,27
„Und doch ist er einem jeden von uns nicht fern.“
Die Überraschung des Textes ist nicht, dass Menschen suchen.
Sondern dass Gott bereits nahe ist.
Das Problem ist nicht Gottes Entfernung.
Sondern unsere Blindheit.
Wichtige Schriftstellen
- Psalm 145,18
- Jakobus 4,8
- Jeremia 23,23–24
- Römer 10,8
- Psalm 34,19
Kerngedanke
Wir müssen Gott nicht in die Nähe bringen.
Wir dürfen entdecken, dass er schon da ist.
5. Gefühle und Wirklichkeit
Menschen setzen häufig ihre Gefühle mit der Wirklichkeit gleich.
„Ich spüre Gott nicht.“
Doch daraus folgt nicht:
„Gott ist nicht da.“
Die Bibel unterscheidet zwischen unserer Wahrnehmung und Gottes objektiver Gegenwart.
Wichtige Schriftstellen
- Psalm 13
- Psalm 22
- Hebräer 13,5
- Matthäus 28,20
- Römer 8,38–39
Kerngedanke
Unser Empfinden verändert sich.
Gottes Gegenwart nicht.
6. Offenbarung statt bloßer Suche
Paulus führt seine Zuhörer über die Suche hinaus.
„In ihm leben wir und bewegen wir uns und sind wir.“
Gott ist nicht nur das Ziel der Suche.
Er ist die Wirklichkeit, in der jeder Mensch bereits lebt.
Wichtige Schriftstellen
- Römer 1,19–20
- Psalm 19
- Johannes 1,9
Kerngedanke
Der Mensch sucht Gott.
Doch Gott hat sich bereits offenbart.
7. Die Konsequenz: Buße
Apostelgeschichte 17,30
Die Predigt endet nicht mit Philosophie.
Sie endet mit einem Aufruf.
„Nun gebietet Gott den Menschen, dass alle überall Buße tun.“
Solange Menschen nur tasten, bleibt vieles unklar.
Doch wenn Gott sich offenbart hat, genügt bloßes Suchen nicht mehr.
Buße (metanoia) bedeutet eine grundlegende Umkehr des Denkens und Lebens angesichts der erkannten Wahrheit.
Wichtige Schriftstellen
- Jesaja 55,7
- Apostelgeschichte 3,19
- Lukas 13,3
-
- Korinther 7,10
Kerngedanke
Offenbarung verlangt Antwort.
Wahrheit ruft zur Umkehr.
8. Die Auferstehung – Gottes endgültiger Beweis
Apostelgeschichte 17,31
Paulus beendet seine Rede nicht mit einer Idee.
Sondern mit einem historischen Ereignis.
Die Auferstehung Jesu ist Gottes Bestätigung seiner Botschaft.
Der christliche Glaube gründet sich nicht auf Gefühle, sondern auf Gottes Handeln in der Geschichte.
Kerngedanke
Der Glaube beginnt nicht mit unseren Empfindungen.
Er beginnt mit Gottes Wirklichkeit.
Theologische Zusammenfassung
|
Menschliche Erfahrung |
Gottes Wirklichkeit |
|---|---|
|
Wir suchen Gott. |
Gott hat unsere Suche vorgesehen. |
|
Wir tasten uns heran. |
Gott ist bereits nahe. |
|
Unsere Gefühle schwanken. |
Gottes Gegenwart bleibt unverändert. |
|
Wir erkennen nur teilweise. |
Gott hat sich in Christus offenbart. |
|
Die Offenbarung fordert eine Entscheidung. |
Gott ruft alle Menschen zur Buße. |
|
Wir leben aus Glauben. |
Wir leben in seiner beständigen Gegenwart. |
Schlussgedanke
Der Mensch meint oft, er suche einen fernen Gott.
Paulus zeigt das Gegenteil.
Wir gleichen Menschen, die sich im Dunkeln herumtastend bewegen, während Gott längst nahe ist. Das Evangelium besteht nicht darin, dass der Mensch endlich hoch genug steigt, sondern darin, dass Gott sich in Jesus Christus offenbart hat.
Die Frage lautet daher nicht mehr:
„Wo ist Gott?“
Sondern:
„Wie werde ich auf den Gott antworten, der sich bereits finden lässt?“ und dann “Bin ich tatsächlich auf der Suche?”
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